Rudern

Was ist Rudern?

Das Rudern bezeichnet allgemein die Fortbewegung eines Bootes durch menschliche Muskelkraft mittels Riemen oder Skulls und ist bereits seit der Antike bekannt. Seither war es eine gute Möglichkeit auf offenem Wasser unabhängig vom Wind voranzukommen und gehört neben Laufen und Schwimmen zu den ältesten natürlichen Fortbewegungsmitteln. In der Geschichte zählte meist jede Fortbewegung auf dem Wasser zum Rudern. So wurden neben den klassischen Ruderbooten u. a. auch Galeeren, Kirchboote, Kähne und Barken gerudert.

Rudern Heute

Rudern ist heute ein naturverbundener Wassersport und optimierte Kraft-Ausdauer-Sportart mit unterschiedlichen Bootsgattungen und verschieden großer Bootsbesetzung. In Deutschland hat Rudern eine über 150-jährige Tradition und ist seit 1896 olympisch. Die Spanne der olympischen Bootsgattungen umfasst Einer (auch Skiff genannt), Zweier, Vierer bis hin zum Achter (siehe Bootsklassen).Legendär ist das jährliche Boatrace, eine Regatta zwischen den britischen Universitäten von Oxford gegen Cambridge auf der Londoner Themse, die es seit 1829 gibt. International, national und regional finden über das Jahr verschiedenste Regatten und Wanderfahrten (siehe Regattakalender) statt, an denen ambitionierte Ruderer mit gültigem Aktivenpass teilnehmen können. Auch gibt es sogenannte Fun-Regatten, die verschiedene Wassersportarten (Rudern, Kanu, SUP, Kajak, Drachenboot, Gondeln usw.) beinhalten und die keinen Aktivenpass erfordern.

Wann sollte ich Rudern?

  • Rudern eignet sich im Prinzip für „Jeden“!
  • egal ob Mann oder Frau
  • ob mit guter Gesundheit oder bereits mit den einen oder anderen körperlichen oder mentalen Problemen,
  • ob schon mit sportlicher Erfahrung oder als Ungeübter
  • ob dünn oder beleibt,
  • ob jung oder alt,
  • in der Prävention oder als Reha
  • alleine, als Paar oder Familie
  • mit Endo-Prothesen möglich
  • mit Sport auf „Rezept“ (Vermittlung durch den Arzt)

Dabei ist es völlig unwichtig ob Sie bereits trainiert oder noch untrainiert sind! Ab einem Alter von ca. 10 Jahren, einer Mindestgröße von ca. 130 m und ca. 30 kg Gewicht ist das Rudern möglich. Bei richtig angewendeter Technik ist dieser Sport überwiegend gelenkschonend und kann deshalb auf Breitensportniveau bis ins hohe Alter betrieben werden.   In diesem Sport ist fast alles in Bewegung. Trainiert werden neben der Ausdauer vor allem Rücken, Po, Bauch, die Beine, Arme und Schultern – ein idealer Sport auch für Frauen  Und die Bewegung an der frischen Luft stärkt zudem auch noch das Immunsystem.

Einzig Schwimmkenntnisse sind absolute Bedingung!

Das Rudern eignet sich für Menschen, die sich gerne in der Natur bewegen, die Freude am Sport haben und Erfahrungen wie Selbstverwirklichung, Erfolgserlebnisse, Geselligkeit, Kameradschaft aber auch Entspannung suchen. Sinn für Rhythmus zu haben ist von Vorteil aber keine Bedingung, da der Schlagmann in einem Mannschaftsboot die Schlagzahl vorgibt. Die Mannschaft hat die Aufgabe sich seinem Takt anzupassen. Wenn dann das Boot „läuft“, wie es im Ruderjargon heißt, das Team mitzieht und harmoniert und man neben dem Klock-Klock der Dollen nur das Plätschern des Wassers unter dem Kiel hört, entsteht eine ganz besonders schöne – fast meditative – Atmosphäre.

Doch obwohl der Teamgeist und Rhythmus eine Rolle spielt, ist Rudern auch etwas für Ego-Sportler, die ehrgeizig sind, die sich auspowern und fordern wollen. Jeder kann sich individuell belasten, auch in einem Mannschaftsboot. Hauptsache die Bewegung ist harmonisch.

Führungspersonen sind hier genauso willkommen wie Teamplayer. Das Ziel ist jeweils ein gut laufendes Boot.

Der Kreativität sind hierbei durch die große Anzahl der Bootsgattungen und die vielen Möglichkeiten beim Rudern – tagsüber, aber auch nach Feierabend, in der Woche oder am Wochenende – kaum Grenzen gesetzt. Man kann es in der Regel das ganze Jahr über. Höchstens Eisbildung, Wind, zu hohe Wellen oder Gewitter verhindern das Training an der frischen Luft.

Vorteile des Ruderns

  • Verbesserung der Ausdauer-Leistung (Kondition)
  • Schulung von Balance und Koordination
  • Reduzierung des Körpergewichtes
  • Vorbeugen, Lindern und sogar Beseitigen von Rückenschmerzen
  • Stärkung Ihres Herz-Kreislauf-Systems
  • Kräftigung Ihrer Skelettmuskulatur
  • Erhöhung der Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit
  • Bildung von Teamfähigkeit
  • Ausgeglichenheit und Entspannung
  • Stressabbau
  • Ausschüttung von Glückshormonen
  • Stärkung der Rücken- und Schultermuskulatur
  • Positive Auswirkungen auf Atmung und Stoffwechsel

Wann sollte ich nicht rudern ?

Das Rudern sollte keinesfalls nach frischen Operationen, wie z. B. Wirbelkörperbrüchen, akuten Bandscheibenvorfällen oder Entzündungen der Wirbelsäule ausgeführt werden. Auch frisch eingesetzte Endo-Prothesen (z. B. Knie, Schulter, Hüften) sind eine Kontraindikation. Bei schwerwiegenden Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems raten Experten ebenfalls vom Rudern ab. Wer alte Verletzungen nicht richtig auskuriert hat sollte das Rudern vermeiden, da er ansonsten nachhaltige Schäden riskiert.

Generell sollte eine Trainingsaufnahme bei bekannten oder vermuteten gesundheitlichen Problemen jeglicher Art vorher mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden. Dieser sollte vorab den Grad der vorhandenen Schädigung und eine mögliche Verschlimmerung abklären.

Die Teilnahme an unserer Ruder-Ausbildung kann erst nach einem nachgewiesenen Gesundheits-Check beim Arzt erfolgen. Hierfür erhalten Sie vor Beginn unserer Kurse einen entsprechenden Gesundheitsfragebogen (auch als Download).

Bedingungen für das Rudern  mit Vorerkrankungen

Vorerkrankungen sind nicht von vorneherein ein Ausschlusskriterium, jedoch sind bei Problemen wie z.B. Asthma, Schlaganfall, Herzinfarkt, Adipositas, Krebs und diversen anderen Erkrankungen Vorgespräche mit den behandelnden Ärzten notwendig

Bei Workshops oder Patientenrudern mit festgelegtem Beschwerdebild kann eine Begleitung durch einen zusätzlichen Therapeuten notwendig werden. Durch unseren Gesundheits-Fragebogen wird bereits eine Einschätzung vorgenommen, da eine medizinische „Rettung“ (z. B. bei Herzinfarkt, Asthmaanfall usw.) auf dem Wasser äußerst schwierig ist. Im Einzelfall bitte unsere Trainer darauf noch einmal persönlich ansprechen und hinweisen.

Risiken

Die Risiken liegen oftmals – wie bei jedem anderen Sport auch-:

  •  in einer schlechten oder falsch angewendeten Technik.
  • in einer potenziellen Unfallgefahr durch das Terrain. Herbei ist es wichtig das jeweilige Ruderrevier auf Gefahrenpunkte (Untiefen, Strömungen, andere Boote, Fahrtrichtungen, Passagier- und Frachtschiffe, Buhnen, usw.) zu sondieren.
  •  in einer Selbstüberschätzung (zu lange Strecken, zu wenig Pausen).
  • Auch mangelnde Vorbereitungen (Sonnenschutz, und -kappe, Getränk) können zu Problemen führen.
  • Gelegentlich sind Sehnenscheidenreizungen an den Unterarmen oder Probleme im Lendenwirbelbereich sowie Verspannungen möglich.
  • Nichtbeachtung der Wetterbedingungen (siehe Regenradar, Wetterprognose, Webcams, Wasserstandsanzeige, Windfinder)
  • Mangelnde Schwimmbefähigung

Die richtige Ruder-Technik wird Dir in unseren aufeinander aufbauenden Modulen (Anfänger, Fortgeschrittene 1 – 3) vermittelt!

In welchen Bereichen wird Rudern ausgeführt?

Freizeitrudern

Freizeitruderer verbinden Sport, Natur und Geselligkeit unter Freunden und Gleichgesinnten. Rudern bedeutet, der Natur nah zu sein und dabei körperlichen Ausgleich zu finden. Es kann je nach Möglichkeiten und individuellen Bedürfnissen tagsüber, nach Feierabend und am Wochenende stattfinden. Dazu gehören auch ausgedehnte Wanderausflüge und Tagesfahrten aber auch Regatten und Fitnesstraining. Dank der verschiedenen Bootsklassen lässt sich jedes Rudererlebnis individuell gestalten. Neben Spaß und Freizeitvergnügen bietet ein Verein auch die Möglichkeit zu ehrenamtlichen Tätigkeiten und damit die Chance über das Berufsleben hinaus Verantwortung zu übernehmen und Bestätigung zu finden.

Wanderrudern (Tourenrudern)

Unsere Welt bekommt vom Wasser aus gesehen ein völlig neues Gesicht. Auf deutschen Seen und Flüssen bis hin zu Ruder-Touren in fremden Ländern oder Kontinenten sind dem Erkunden und Erfahren neuer Reviere kaum Grenzen gesetzt. Überall dort, wo Natur und Umwelt zum Genießen und Entspannen einlädt findet man Wanderruderer. Diese Form des Ruderns ist eine aktive Urlaubsgestaltung mit Neugier auf neue Landschaften und abenteuersportlichen Herausforderungen.

Wanderrudern ist Verreisen mit dem Boot welches man als Tages, Mehrtages oder Wochenetappen ausführen kann. Bei Mehrtagesfahrten legt man die Strecke von einer Übernachtung zur nächsten mit dem Boot zurück. Das Gepäck wird entweder im Boot oder durch einen Landdienst transportiert. Übernachtet werden kann in Zelten, Bootshäusern, Jugendherbergen oder Pensionen, je nachdem was auf der Strecke vorhanden ist oder was der Geldbeutel zulässt.

Gesundheitsrudern (Fitness, Prävention, Reha)

Rudern hat einen hohen gesundheitlichen Wert, da es zu den wenigen Sportarten gehört, die nahezu alle Muskelgruppen beanspruchen und gleichzeitig sowohl Koordination, Ausdauer als auch Herz und Kreislauf trainieren. Da zudem das Verletzungsrisiko sehr gering ist, eignet es sich besonders gut zur gesundheitlichen Prävention sowie Rehabilitation (z. B. Orthopädie, Psychosomatik, Cardio, Adipositas, Asthma, Krebs usw.) Nach Untersuchungen von Krankenkassen zählt Rudern zu den ungefährlichsten Sportarten überhaupt und kann bis ins hohe Alter ausgeübt werden Darüber hinaus unterstützt Rudersport die Entspannung und den Abbau von Stress. Die beruhigende Wirkung des Wassers verbunden mit der Bewegung in der Natur ist somit nicht nur eine Wohltat für den Körper sondern auch für den Geist.

Rennrudern

Das Rennrudern ist eine Art des Rudersports, bei der eine vorgegebene Strecke in möglichst kurzer Zeit zurückgelegt werden soll. Das ganze Jahr über finden zahlreiche deutsche und internationale Wettkämpfe, den sogenannten Ruderregatten statt, die für Teilnehmer als auch für die Zuschauer ein spannendes Erlebnis sind.

Hierbei wird direkt gegeneinander auf einer festgelegten Regattastrecke (siehe Distanzen) angetreten Die olympische Distanz beträgt dabei 2000 Meter jedoch wird auf den meisten DRV-Regatten nur eine Streckenlänge von 1000 Metern gefahren. Es gibt zudem auch sogenannte Sprintregatten über eine Distanz von 350 m (z.B. die Ruder-Bundesliga) oder 500 Metern aber auch Langstreckenrennen über eine längere Distanz wie der Rheinmarathon von Leverkusen nach Düsseldorf. Finden die Wettkämpfe auf einem schmalen Gewässer (Fluss) statt, so wird die Variante des „fliegenden Starts“ angeboten bei dem die Boote in einem Abstand von 1 Minute einzeln starten. Diese Variante wird vorwiegend bei den Langstrecken angeboten.

Durch Disziplin, Ehrgeiz und Ausdauer mehrmals pro Woche oder sogar täglich ins Boot zu steigen wird der Ruderer nicht nur mit Muskelkraft und einer erhöhten Koordinationsfähigkeit, sondern auch mit mentaler Stärke belohnt.

Distanzen

Da viele Regatten auch auf Naturstrecken stattfinden, gibt es Wettkämpfe über äußerst viele Distanzen. Im Folgenden sind die häufigsten aufgeführt.

TABELLE  DISTANZEN

Ruder-Ausbildung

Unsere Ruderausbildung in Füssen im Allgäu findet in enger Kooperation mit dem Ruderclub Forggensee e. V. statt. Mit dem Durchlaufen von aufeinander aufbauenden Modulen (Anfänger und Fortgeschrittene 1, 2 und 3) wird dem Kursteilnehmer ein einheitlicher fundierter Ruder-Standard vermittelt, der ihn befähigt auch in wechselnden Mannschaften problemlos zu rudern.

Da es jedoch nicht nur besonders wichtig ist Regeln, Sicherheitsaspekte, die Handhabung und die Pflege der Boote zu beherrschen sondern eine gesundheitsorientierte, gute Ruder-Technik zu erlernen lagern immer mehr Vereine die Ausbildung in ein eigenständiges Kurssystem aus, da der nötige zeitliche Umfang im Ehrenamt nicht mehr geleistet werden kann. Es bilden sich dann aufeinander abgestimmte Kooperationen bei denen sich die Ausbildung in Hand der Ruder-Schule befindet, die Bereitstellung des Bootsmaterials der unterschiedlichsten Bootsklassen und der Infrastruktur wie z. B. Gemeinschaftsraum, Sanitäranlagen und Außengelände jedoch beim Verein bleibt.

Eine Mitgliedschaft im Verein ist jedoch keine Bedingung, der Teilnehmer kann weiterhin im Kurssystem bleiben. Umgekehrt können jedoch Vereinsmitglieder auch unsere Fortgeschrittenen- oder Technik-Kurse besuchen.

Die Ausbildung gliedert sich in die Module:

  1. Info-Stunde (30 Minuten)
  2. Anfänger (8 Einheiten)
  3. Fortgeschrittene 1 (8 Einheiten)
  4. Fortgeschrittene 2 (8 Einheiten)
  5. Fortgeschrittene 3 (8 Einheiten)

und sollte möglichst zwei Mal wöchentlich wahrgenommen werden, da zu große Abstände in den Trainingseinheiten das Erlernen der komplexen Technik erschwert. Ein Trainingseffekt entsteht am besten, wenn nicht mehr als 72 Stunden zwischen den einzelnen Einheiten liegen.

Mit Beendigung des 4. Moduls (Fortgeschrittene 2) kann optional das sogenannte „Freirudern“ erfolgen. Hierbei handelt es sich um eine schriftliche und praktische Überprüfung der Rudertechnik, die Aufgaben als Bootsverantwortlicher (Obmann), dem Umgang mit dem Bootsmaterial, Kenntnisse über Sicherheitsaspekte und Kommandos. Weiterhin werden die Pflege der Boote, die Lagerung und die Verwendung des Fahrtenbuches (EfA) abgefragt.

Nach bestandener Prüfung und dem Erhalt des Zertifikates „Freirudern“ ist der Ruderer befähigt selbständig, ohne Trainer oder Steuermann ein Boot in Eigenverantwortung zu rudern.

Zusätzlich werden Kurse angeboten für:

  • Wiedereinsteiger
  • Techniktraining

und auf Anfrage:

Workshops (z. B. Rudern gegen Krebs, Adipositas, Asthma usw.)
Ruderschnupperkurs für Urlauber
Begleitetes Gastrudern

Die Module sind zielgruppenorientiert, d. h sie gliedern sich in Kurse für Jugendliche, Erwachsene, Senioren, Betriebssport, Präventionssport, Gäste und Patienten.

Welche Ruderboote gibt es?

Bei den Booten gibt es eine Unterscheidung in Gigs, die vor allem in der Ausbildung und im Breitensport eingesetzt werden und Rennruderboote, die im Leistungssportbereich und bei ambitionierten Ruderern Verwendung finden.

Die Unterschiede liegen in den verwendeten Materialien und das daraus resultierende Gewicht und der Bootsform. Gigs werden nach ihrer Breite und Bauweise (Klinkerbauweise oder Schalenbauweise) in A bis E kategorisiert. Verschiedene Bootswerften bieten heutzutage ein breites Angebot. Z. B. Boote von Empacher werden oft im Rennsport verwendet und werden bei Olympia gefahren. Des Weiteren findet man in der Ruderfamilie gelegentlich auch Kirchboote, Barken, See-Gigs oder Ruderkatamarane.

Unterschiede gibt es auch bei der Ausstattung. So gibt es neben Dollen die fest mit dem Bootsrumpf verbunden sind auch Rollauslegerboote, bei denen der Rudersitz starr mit dem Boot verbunden ist, dafür die Ausleger mit den Dollen über ein Schienensystem in der Längsrichtung des Bootes beweglich sind. Diese Variante hat den Vorteil, dass der Schwerpunkt des Bootes sich während der Ruderbewegung nicht so stark ändert. Rollauslegerboote sind nach anfänglichen Erfolgen in den Siebziger Jahren jedoch nicht mehr bei offiziellen Wettkämpfen zugelassen (Wikipedia)

Bootsklassen

1x     = Einer
2x     = Doppelzweier
2-     = Zweier ohne Steuerfrau/-mann
2+    = Zweier mit Steuerfrau/-mann
4x-   = Doppelvierer ohne Steuerfrau/-mann
4x+  = Doppelvierer mit Steuerfrau/-mann
4-     = Vierer ohne Steuerfrau/-mann
4+    = Vierer mit Steuerfrau/-mann
8+    = Achter mit Steuerfrau/-mann

Im Bereich des Freizeitruderns gibt es noch zusätzliche Bootsklassen. Beliebt ist ein Dreier mit Steuerfrau/-mann, der sich oft zum Vierer ohne Steuerfrau/-mann umbauen lässt oder auch ein Sechser.

Darüber hinaus gibt es noch Spezialanfertigungen im Behinderten- oder Präventionssport (z.B. Ruderkatamaran aus zwei Riemenvierern.)

Welche Bootshersteller gibt es?

Die Herstellung und Vertrieb von Ruderbooten wird von spezialisierten Ruderbootswerften durchgeführt. Hierzu gehören u. a.

  • BBG Baumgarten Bootsbau
  • Carl Douglas
  • Durham Boat Company
  • Empacher
  • Filippi
  • Fluidesign
  • Hudson
  • Janousek & Stämpfli Racing Boats
  • Kaschper Racing Shells
  • Kirchbootmanufaktur Speyer
  • Liteboat
  • Little River
  • Maas
  • Martinoli
  • Race 1
  • Rehberg
  • Salani
  • Schellenbacher
  • Sykes
  • Virusboats
  • Weitnauer
  • Whitehall Rowing & Sail
  • Wintech Racing

Weltweit gibt es ca. 60 – 70 Ruderbootswerften von denen ca. 30 bis 40 auch Rennruderboote herstellen (Stand 2016).

Wo bekomme ich Ersatzteile her?

Ersatzteile findest Du beim jeweiligen Hersteller des Bootes.

In vielen Vereinen werden jedoch auch kostensparend alte Boote „ausgeschlachtet“ und die noch guten Teile verwendet.

Welche Ruder-Techniken gibt es?

Formen

Im Rudersport wird zwischen(engl. rowing) und Skullen (engl. sculling) unterschieden. Beim Skullen hält der Ruderer jeweils ein Skull in jeder Hand. Beim Riemenrudern hingegen hält der Ruderer mit beiden Händen den sogenannten Riemen, der entweder Backbord oder Steuerbord in das Wasser getaucht wird.

Mit dem grundlegenden Erlernen der Rudertechnik und deren Optimierung mittels biomechanischen Gesichtspunkten soll das Boot so schnell und weit wie möglich (Maximierung) und mit möglichst geringem körperlichem Einsatz (Minimierung) bewegt werden. Der Deutsche Ruderverband (DRV) passt sein Ruderleitbild immer wieder den neuesten sportmedizinischen Erkenntnissen an.

Skullen (Wikipedia)

In der Auslage, auch Vorlage genannt, also am Beginn des Zuges, stehen die Unterschenkel annähernd senkrecht zur Wasseroberfläche, indem man mit dem Rollsitz nach vorne rollt und der Oberkörper leicht nach vorne geneigt ist. Der Oberkörper sollte möglichst nicht auf den Oberschenkeln aufliegen; die Arme sind weitest möglich nach vorne-außen gestreckt, um eine möglichst große Schlagweite zu erzielen, die Blätter sind orthogonal zur Wasseroberfläche aufgedreht, die Blattunterkante befindet sich nicht mehr als 5 cm über der Wasseroberfläche. Am Ende der Rollbewegung werden die Ruderblätter in das Wasser eingetaucht (gesetzt).

Darauf wird unmittelbar mit dem Durchzug begonnen: Die Beine treten gegen das Stemmbrett (hierbei sollte darauf geachtet werden, dass man nicht zu stark antritt, sondern die gefühlte Kraftanwendung zum Endzug hin erhöht), die Arme bleiben natürlich gestreckt, der Oberkörper wird mitgeführt und geht in die Senkrechte, dieser bleibt mit der Hüfte auf einer Linie.

Die Skulls müssen, damit die Innenhebel (der Teil des Skulls, der von der Dolle des Auslegers gesehen zur Mitte des Bootes reicht) nicht aneinander stoßen, vom Ruderer hintereinander geführt werden. In Deutschland wird das Backbordskull näher am Körper und etwas unter dem Steuerbordskull geführt. In der DDR wurde das Steuerbordskull näher am Körper und etwas unter dem Backbordskull geführt, was jedoch nach der Wende 1990 zu Gunsten einer einheitlichen Technik aufgegeben wurde. Beide Varianten sind gleich effektiv. Die Ausleger bzw. Dollen werden deshalb manchmal 0,5–1,5 cm unterschiedlich geriggert, also in der Regel Backbord ca. 1 cm tiefer als Steuerbord, um eine Schräglage des Bootes zu vermeiden. Bei sauberer Führung der Hände hintereinander und nahezu auf einer Höhe ist dies allerdings nicht notwendig. Es gibt jedoch auch die Möglichkeit, die Hände komplett übereinander zu führen (amerikanische Methode). Hierzu müssen die Ausleger des Bootes aber deutlich unterschiedlich hoch angebracht werden.

Die Armbeugung beginnt kurz bevor die Hände die Knie passieren. Die Beinstreckung wird erst nach der Dolle abgeschlossen.

Sobald der Beinstoß beendet ist, lehnt sich der Körper in die Rücklage (auch Rückenlage), also etwa 30° (von der Senkrechten aus) nach hinten. Die Arme beschleunigen den Zug, der endet, wenn die Hände den Körper berühren. Die Innenhebelgeschwindigkeit im Endzug muss der Schlagfrequenz und Bootsgeschwindigkeit entsprechen. Dann werden die Blätter mittels Herunterdrücken der Hände senkrecht aus dem Wasser gehoben und abgedreht. Sobald die Blätter vom Wasser frei sind, beginnt das „Händeweg“. Der Oberkörper folgt unmittelbar der Heckwärtsbewegung der Innenhebel, so dass die Hände nicht zu weit vom Körper weggehen. Das fließende Vorführen der Innenhebel bei gleichzeitiger Mitnahme des Oberkörpers vollzieht sich in gleicher Geschwindigkeit wie das Heranführen des Innenhebels im Endzug. Dann zieht sich der Ruderer mit den Zehenspitzen am Stemmbrett nach vorne. Beim Vorführen der Innenhebel beginnt auf der Höhe des Stemmbrettes das Aufdrehen der Blätter, so dass sie in der Auslage wieder senkrecht stehen. Zur Auslage hin werden die Rudergriffe nach oben-vorne geführt – somit nähern sich die Ruderblätter dem Wasser und tauchen zur maximalen Auslage hin vollends darin ein (auch Setzen oder Wasserfassen genannt).

Bei der Gestaltung des gesamten Bewegungsablaufs ist ein flüssiger und harmonischer Ablauf, ein ineinander übergehender Verlauf der Bewegung besonders wichtig. Jede ruckartige Körperbewegung beeinflusst den Vortrieb und Durchlauf des Bootes negativ.

Riemen (Wikipedia)

Jeder Ruderer hat nur einen Riemen anstelle von zwei Skulls. Diesen bedient er mit beiden Händen. Im Unterschied zum Skullen dreht der Ruderer seinen Oberkörper beim Rollen in die Auslage mit in Richtung Ausleger, während seine Schulterachse parallel zum Riemen befindlich ist. Im Gegensatz zum Skullen kommen sich hier bei den meisten Ruderern Arme und angewinkelte Beine in der Auslage in die Quere, daher ist es üblich, das Außenbein (das Bein gegenüber dem Ausleger) etwas wegzustrecken. Riemen (ca. 378 cm, Innenhebel zwischen 112 cm und 120 cm) sind länger als Skulls und haben ein größeres Blatt.

Die Geschichte des Ruderns

Mit Einführung der Rudersklaverei sah man das Rudern als schwere und unwürdige Arbeit an, die niemand mehr verrichten wollte und wurde so zur meist gehasste Tätigkeit dieser Zeit als schließlich unter Karl VII. von Frankreich (1403-1461) das Rudern als Galeerenstrafe eingeführt wurde. Die Darstellung des Galeerenruderns in vielen Geschichtsbüchern und auch Filmen und ist sicherlich mit ein Grund dafür, dass der Rudersport in weiten Kreisen der Gesellschaft noch immer als harte und äußerst anstrengende Sportart gilt.

Die Ursprünge des Ruderns liegen in England, wo Rudern von einer Fortbewegungsart zum Sport wurde. Auch die Deutschen begannen sich bald darauf für den Rudersport zu begeistern und so wurde bereits 1836 in Hamburg der erste Ruderverein gegründet. 1883 entstand der Deutsche Ruderverband (DRV) als erster deutscher Sportverband.